Gedenktage

Gedenktage im November

Als Christen wissen wir: Gott ist ein Gott des Friedens.
Es widerspricht dem christlichen Glauben, wenn Gott vereinnahmt wird. Im Römerbrief lesen wir: „Ist’s möglich, soviel an euch liegt, habt mit allen Menschen Frieden!“ Und die Jahreslosung des kommenden Jahres ruft uns zu: „Suchet den Frieden und jagt ihm nach!“

Im November gibt es eine Reihe von wichtigen geschichtlichen Gedenktagen. Diese Gedenktage mahnen uns heute in je eigener Weise zum Frieden.
Am 9. November jährt sich zum 80sten Mal die „Reichspogromnacht“: Mit ihr fand 1938 der von den Nationalsozialisten systematisch verschärfte Antisemitismus einen traurigen Höhepunkt, als in der Nacht jüdische Synagogen angezündet sowie jüdische Geschäfte und Wohnung von Juden zerstört und geplündert wurden.
Ebenfalls am 9. November erinnern wir uns an den Fall der Mauer im Jahr 1989 – also vor 29 Jahren. Mit friedlichen Aktionen wurde die Öffnung der innerdeutschen Grenze erzwungen und das Ende der DDR eingeleitet. Ein Jahr später war die Wiedervereinigung Deutschlands vollzogen, die viele damals nicht für möglich gehalten hatten und die heute für viele und vor allem die jüngere Generation ganz selbstverständlich ist. Doch die Gestaltung eines friedlichen Zusammenlebens, das von Offenheit und Toleranz geprägt ist, ist nach wie vor eine Aufgabe.
Am 11. November denken wir daran, wie vor 100 Jahren der erste Weltkrieg zu Ende ging mit der Unterzeichnung der Kapitulation Deutschlands in einem Eisenbahnwagon im französischen Compiègne. In den über 4 Jahren dieses großen grausamen Krieges verloren etwa 17 Mil­lionen Menschen ihr Leben. In vielen Kirchen sind auf Gedenktafeln die Namen der Soldaten aus der jeweiligen Gemeinde verzeichnet – und diese Listen sind immer erschreckend lang.
Am 18. November wird am „Volkstrauertag“ aller Opfer der beiden großen Weltkriege gedacht, und dies ist verbunden mit der Mahnung, dass es nie wieder Krieg geben darf.

                                         Wieland Bopp-Hartwig

 

Mit der Furcht fertig werden

Gedanken zum
25. Todestag von Heinrich Albertz
 

Kaum beachtet jährte sich am 18. Mai 2018 der 25. Todestag des Pfarrers und Politikers Heinrich Albertz (1915-1993). Er war Zeit seines Lebens ein engagierter Christ, der sich einmischte. Maßstab seines Handels war stets sein Glaube. In einer Predigt sagte er einmal „Der Mensch, der Jesus Christus begegnet ist, kann mit seiner Furcht fertig werden. Aber Furchtlosigkeit heißt nicht Lethargie, nicht Resignation, nicht Wurstigkeit. Freiheit von dieser Angst heißt durchaus, im Getümmel stehen, redend, handelnd, Partei ergreifend, aber zugleich wissend, Partei, Auseinandersetzung, Leistung, Karriere, der Ablauf der Jahre, das Altwerden, der Tod – das ist alles nicht das Letzte, nicht das Ziel, nicht die Mitte und der Sinn. Mitte und Sinn gibt der, der in unserem Evangelium redet, der selbst dieses Evangelium ist.“  Mit der Furcht fertig werden, musste er in seinem Leben immer wieder: Wegen seiner Predigten wurde er als Pfarrer der Bekennenden Kirche mehrfach verhaftet. Mutig bekannte er 1967 sein Fehlverhalten nach den Studenten-Unruhen und der Ermordung Ohnesorgs: „Ich war am schwächsten, als ich am härtesten war, in jener Nacht des 2. Juni, weil ich dort objektiv das Falsche tat.“ Danach trat er als Regierender Bürgermeister von Berlin zurück. Als Peter Lorenz 1975 entführt wurde, begab er sich als Austauschgeisel in die Hände der Terroristen. 1983 beteiligte er sich an der Sitzblockade des US-Militärdepots in Mutlangen und stand danach vor Gericht. Seine Bücher, meist Tagebücher und Predigten, verbinden stets den Glauben und das Evangelium mit dem, was in der Welt geschieht. Obgleich über 25 Jahre alt, sind sie noch immer packend, überzeugend und aktuell. Es ist bereichernd sie zu lesen.

                                                  Monika Herrmann-Schiel